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Der Dirigenten-Blog

Tipps & Übungen für Dirigenten

Ternäre Taktarten - eine Herausforderung für Dirigenten

dirigat Nov 20, 2025
Dirigent studiert Partitur für ternäre Taktarten am Tisch“

Ternäre Taktarten - eine Herausforderung?

Ternäre Taktarten gehören zu den spannendsten, aber auch herausforderndsten Bereichen des Dirigierens. Viele Dirigenten fühlen sich darin unsicher, meiden sie bewusst oder merken beim Dirigieren, dass sie scheinbar kaum Einfluss auf das musikalische Geschehen haben. Doch gerade diese Takte bergen ein enormes Potenzial für musikalische Tiefe, Gestaltungskraft und lebendige Phrasierung.

Es lohnt sich sehr, sich intensiv mit ihnen auseinanderzusetzen.


Was genau sind eigentlich ternäre Taktarten?

Ternäre Taktarten erkennt man daran, dass jeder Grundschlag in drei gleichmäßige Untereinheiten geteilt wird. Typische Beispiele sind 6/8-, 9/8- und 12/8-Takte. Sie klingen lebendig und schwingend, schnell wie ein natürlicher Triolenpuls.

Im 12/8-Takt finden wir vier Hauptschläge.
Die Zählzeiten eins, vier, sieben und zehn bilden das Gerüst.
Die übrigen Achtel schwingen in Dreiergruppen mit.

Dieses gleichmäßige innere Wogen macht ternäre Taktarten so besonders – und oft auch so anspruchsvoll.


Warum ternäre Takte für viele Dirigenten schwierig sind

Viele Dirigenten spüren in diesen Taktarten eine gewisse Hilflosigkeit. Die Musik scheint von selbst zu laufen, und man hat das Gefühl, kaum etwas anzeigen zu müssen. Oft entsteht sogar das Gefühl, ungebraucht zu sein.

Mach den Test:
Gib den Auftakt, gehe ein paar Schritte weg und lass das Ensemble allein spielen.
Alles, was ohne dich stabil bleibt, musst du nicht unbedingt anzeigen – sie können es.

Doch die entscheidende Frage ist:

Klingt es wirklich so, wie du es dir innerlich vorstellst?
Oder würdest du etwas gestalten, formen oder verändern wollen?

Wenn nicht alles so klingt, wie deine eigene Klangvorstellung es vorgibt, dann liegt der nächste Schritt bei dir: Deine eigene Interpretation, Klangvorstellung und Phrasierung zu vertiefen.

Ein Dirigent, der innerlich gewachsen ist, führt auch musikalisch reifer.


Warum ternäre Taktarten besondere Herausforderungen bieten

Ternäre Taktarten neigen dazu:

  • Langsamer zu werden

  • an Schwung zu verlieren

  • sich zu „verschleppen“

  • unruhig wirken, wenn keine klare Führung erfolgt

Deshalb ist für uns Dirigenten besonders wichtig:

👉 das Tempo immer wieder zu nähren
👉 zur richtigen Zeit klare Impulse zu geben
👉 den Klang innerlich und äußerlich „an der Hand“ zu haben

Wenn die Spieler den inneren Puls nicht spüren, verlieren sie den Dirigenten – und der Dirigent verliert sie.


Typische Fehlreaktionen in ternären Takten

Wenn Unsicherheit entsteht, passiert häufig:

  • Zusätzliche, hastige und unnötige Schläge, um sich gebraucht zu fühlen

  • Hektische Armbewegungen ohne musikalische Wirkung

  • immer größer und schneller dirigieren

  • Es fehlt Klarheit im Tempo und in der Phrasierung

Das Ergebnis ist ein unruhiges Klangbild ohne Struktur.

Spieler entscheiden innerhalb von Sekunden, ob sie dem Dirigenten folgen oder lieber selbstständig musizieren.
Wenn vorne keine klare Führung entsteht, wenden sie sich ab – nicht aus Trotz, sondern um nicht verwirrt zu werden.

Darum beginnt echte Führung immer bei uns selbst.


 Unsicherheit führt fast immer zu Überdirigieren

Unsicherheit führt dazu, dass Dirigenten groß, hektisch und unkontrolliert dirigieren. Dieses Überdirigieren verwirrt das Ensemble und nimmt ihm jede Orientierung.

Unser Ziel ist ein klarer, souveräner und ruhiger Leitstil.

Wir wollen das Ensemble bildlich „an der Hand“ haben.
Dann können wir es dorthin führen, wo wir es musikalisch haben möchten:
schneller, langsamer, lauter, leiser, gebundener oder artikulierter.

Doch häufig beobachtet man das Gegenteil:
Der Dirigent steigert sich, wird schneller und größer, doch das Ensemble folgt nicht. Dann wird die Schuld vorschnell den Spielern gegeben.

Die Wahrheit liegt jedoch ganz woanders.

Gerade in ternären Taktarten müssen wir Dirigenten wissen, wo die einzelnen Achteln auf unserem Dirigierweg liegen.
Wenn wir sie nicht spüren, nicht „anfassen“, können wir sie nicht führen.


 

Warum die Phrasierung der Schlüssel ist

Viele Schwierigkeiten im Dirigieren entstehen, weil die Phrasierung nicht klar ist. Impulse allein reichen nicht. Musik braucht Richtung.

Musik lebt immer von:

  • Spannung und Entspannung

  • Aufwärtsbewegung hin zum Höhepunkt

  • einer natürlichen Rückkehr

  • Atem und innerer Bewegung

Ohne Richtung klingt Musik korrekt, aber nicht lebendig.

👉 Phrasen verstehen und gestalten, nicht nur Impulse zeigen.
👉 Das Geheimnis liegt auf dem Dirigierweg und nicht im Schlag.

Erst wenn ein Dirigent eine klare Klangvorstellung hat und eine innere Richtung spürt, kann er diese auf dem Dirigierweg sichtbar machen. Dazu gehört ein Bewusstsein für jede Note, die zwischen den Schlägen liegt.

Wenn du die Noten auf dem Weg spürst, beginnt Dirigieren Freude zu machen.
Musiker und Sänger atmen mit dir, sie reagieren, sie folgen – und sie musizieren phrasiert.


Kleine Übung für sofort

Stell dir einen 6/8 Takt vor. (dirigiert in der 2er Schlagfigur)

  1. Mache einen Auftakt für den ersten Schlag.

  2. Spüre die drei Achtel auf dem Dirigierweg.

  3. Kannst du jede einzelne von ihnen "verorten"?

  4. Nimm dir ein Blatt Papier und zeichne die 2er Schlagfigur sauber auf.
  5. Zeichne jetzt die einzelnen Achteln auf dem Dirigierweg dort ein, wo du sie gespürt hast.
  6. Dann das gleiche für Schlag 2.

Spürst du ganz genau wo die Achteln bei dir liegen? Oder bist du dir noch unsicher?

Erst wenn du sie ganz genau "anfassen" kannst, jede einzelne von ihnen, wirst du sie auch führen können.
Du wirst sofort erleben, wieviel sicherer du dann ternäre Taktarten tatsächlich dirigieren und gestalten kannst.


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